Bis zur Aufhebung 1773:

Die Gründung einer Schule der Jesuiten in der kaiserlichen Residenzstadt Innsbruck erfolgte auf Wunsch Kaiser Ferdinands I. Als Vertreter des Ordens leitete der hl. Petrus Canisius die entsprechenden Verhandlungen, die 1561 zur Übergabe einer ersten Wohnstätte im "Kaiserspital" (einer Stiftung für alte, bedürftige Menschen in der heutigen Universitätsstraße) samt anschließender Salvatorkapelle führten. Der Bau eines eigenen Kollegs begann 1562 und wurde 1573 fertiggestellt.

1568 bis 1571 entstand durch Erweiterung der Kapelle eine erste Dreifaltigkeitskirche. Dieses Gotteshaus wurde bald zu klein. Die Errichtung der heutigen Jesuitenkirche begann 1627, geweiht wurde sie 1646. Gestiftet wurde die Jesuitenkirche von Erzherzog Leopold V und seiner Frau Claudia von Medici. Sie liegen in der Kypta gemeinsam mit ihren Kindern begraben. Die Grundsteinlegung erfolgte am 30. Mai 1627. Als Architekt fungierte Santino Solari, der Erbauer des Salzburger Doms, was auch die Ähnlichkeit von Kuppel und Doppelturmfassade mit der fürsterzbischöflichen Salzburger Hauptkirche erklärt. Die baukünsterlische Bedeutung der Jesuitenkirche liegt in ihrer frühbarocken Fassade. Sie hebt sich mit ihrer strengen Gliederung von den vielen sehr stark verschnörkelten Spätbarock-Bauten Innsbrucks ab. Die Fassade wurde im Zuge der Generalsanierung der alten Innsbrucker Universität von 1990 bis 1998 erneuert. Anfang 2003 wurde mit der Sanierung und Restaurierung des Innenraums begonnen.

Die Schule wurde am 25. Juni 1562 mit dem Unterricht für 71 Schüler eröffnet. Der Unterricht erfolgte zunchst im "Neuen Stift" (heute Volkskundemuseum), ab 1575 im Jesuitenkolleg, bis mit dem Bau eines neuen Gymnasiums 1606 neue, besser geeignete Räume für die wachsende Schülerzahl zur Verfügung standen. 1722/ 23 musste das Schulgebäude erneut ausgebaut werden - in den letzten Jahren vor der Aufhebung des Ordens besuchten über 500 Schüler das Jesuitengymnasium. 1587 wurde das sogenannte Nikolaihaus als Armenkonvikt errichtet, das mittellosen Schülern den Besuch des Gymnasiums und spter der Universität ermöglichte.
Kaiser Leopold I. entsprach dem Wunsch der Innsbrucker Stadtväter und Tiroler Landstände, in Innsbruck eine Universität zu grnden. Um die dafür notwendigen Mittel aufzubringen, wurde 1669 der sogenannte "Salzaufschlag" eingeführt: Der Preis des Salzes aus der Saline in Hall wurde um 12 Kreuzer je Fuder erhöht. 1677, nachdem Philosophische, Theologische, Juridische und Medizinische Fakultät ihre Tätigkeit bereits aufgenommen hatten, erfolgte durch kaiserliches Dekret und päpstliche Bestätigung schließlich die formelle Gründung der Universität. Kurz vor 1773 hatte die Philosophische Fakultät circa 200 Studenten, die Theologische Fakultät etwa 120 Hörer.
Neben der Lehrtätigkeit bildete die Leitung der Marianischen Kongregationen einen weiteren Schwerpunkt: in der zweiten Hlfte des 18. Jahrhunderts zählte etwa die Akademikerkongregation über 1.500 Mitglieder, die der Bürger circa 1.400. Dazu kam die Seelsorge an der Jesuitenkirche und am erzherzoglichen Hof sowie die Tiroler Volksmission.
Nach der Aufhebung der Gesellschaft Jesu ging der gesamte Gebäudekomplex der Jesuiten in staatlichen Besitz ber. Kaiserin Maria Theresia gründete 1775 in einem Teil des Kollegs das Theresianum, ein staatliches Adeligenkonvikt (1784 durch Joseph II. aufgehoben, 1826 wieder eröffnet). Der Rest des Gebäudes wurde der Universität berlassen, bis diese 1781 durch Joseph II. aufgehoben und in ein Lyzeum umgewandelt wurde. Kaiser Franz I. stellte zwar die Universität 1826 wieder her, jedoch zunächst nur mit einer philosophischen und juridischen Fakultät.
Anzumerken ist noch, dass das Kolleg in Innsbruck in dieser Zeit zur Oberdeutschen Provinz der Gesellschaft Jesu gehörte.

Nach der Wiedererrichtung 1814:

Nach längeren Verhandlungen übernahm der Orden 1839 die Leitung des Gymnasiums, des Adeligenkonvikts Theresianum und zusätzlich dazu die Betreuung der Dreifaltigkeitskirche. Mit Unterstützung von Erzherzog Maximilian d'Este (1782-1863, Hoch- und Deutschmeister) erwarb der Orden wieder das Nikolaihaus als Wohnsitz der Kommunität. In diesem Kolleg wurde 1842 das ordensinterne Theologiestudium eingerichtet. 1845 entstand auch ein Internat für nicht-adelige Zöglinge.
Nach dem staatlichen Verbot des Ordens 1848 konnten zwar einige Jesuiten bis zur Wiederzulassung 1852 in Innsbruck bleiben, ihr Wirken war aber auf Predigt und Seelsorge beschränkt. 1857 bewilligte Kaiser Franz Joseph I. die Errichtung einer theologischen Fakultät, die der Gesellschaft Jesu übertragen wurde. 1866 erhielt sie das staatliche Promotionsrecht und war für längere Zeit die größte Fakultät der Universität. Da der Orden das ehemalige Kollegsgebäude nicht rückerstattet erhielt, erwarben die Jesuiten eine Reihe kleinerer Bürgerhäuser im Anschluss an das Nikolaihaus. Nach Um- bzw. Neubauten entstand daraus das heutige Jesuitenkolleg.
1858 erfolgte die Gründung eines Konvikts für Studenten der Theologie im Nikolaihaus, das sofort großen Zulauf hatte - schon im ersten Jahr zählte man 37 Theologen. Da die Zahl der Konviktoren von Jahr zu Jahr anstieg, reichte der Raum im Nikolaihaus bald nicht mehr aus, und ein Neubau wurde notwendig: Das Collegium Canisianum wurde mit Hilfe beträchtlicher Spenden der Altkonviktoren 1910 erbaut und konnte 1911 bezogen werden. Aus diesem Seminar sind im Lauf der Zeit mehr als 3.000 Priester, 50 Bischöfe und 30 Äbte hervorgegangen. Konviktoren waren unter anderen der selige Bischof Vilmos Apor aus Ungarn und der amerikanische Jugendapostel Edward Flanagan.
Gleich nach der Machtübernahme durch das nationalsozialistische Regime wurde im Juli 1938 die Theologische Fakultät aufgehoben (die anderen Fakultäten wurden "gesäubert" und Innsbruck zur "Deutschen Alpen-Universität" erklrt). Als Reaktion darauf wurde eine päpstliche theologische Fakultät im Collegium Canisianum errichtet. Da jedoch das Canisianum noch im November desselben Jahres beschlagnahmt wurde, musste eine andere Lösung gefunden werden: das Canisianum ging ins Exil nach Sitten in der Schweiz. Unmittelbar nach dem Kriegsende 1945 erfolgte die Rückkehr nach Innsbruck in das zurückgegebene Gebäude. Seit den sechziger Jahren kommen verstärkt Seminaristen und Priester aus ehemaligen Missionsländern ins Canisianum zur Ausbildung, welches damit heute im Dienst der Weltkirche steht.
Das Jesuitenkolleg wurde 1939 enteignet und als Polizeidirektion benutzt; die Rückgabe erfolgte 1945. Allerdings dauerte es noch bis 1957, bis die darin angesiedelten Beh&^ouml;rden zur Gänze ausgezogen waren. Die Dreifaltigkeits- (Jesuiten-)Kirche wurde beim ersten Bombenangriff auf Innsbruck im Dezember 1943 sehr schwer beschädigt. 1946 begann die Instandsetzung, und im April 1953 wurde sie von Bischof Rusch neu geweiht.
1945 beschloss der Senat der Universität die Wiedererrichtung der Theologischen Fakultät - der erste Dekan war P. Hugo Rahner SJ. Zu ihren berühmten Lehrern zählten etwa P. Karl Rahner SJ sowie P. Josef Andreas Jungmann SJ. Seit 1977 gibt es auch Nicht-Jesuiten als Professoren. Die 1877 gegrndete "Zeitschrift für Katholische Theologie" (ZKTh) wird von den Professoren SJ herausgegeben und ist eine der ältesten wissenschaftlich-theologischen Zeitschriften des deutschen Sprachraums.
Zu den Arbeiten der Jesuiten in Innsbruck heute gehört neben der Lehrtätigkeit an der Katholisch-Theologischen Fakultät und der Betreuung der Jesuitenkirche auch die Leitung des Jugendzentrums MK.

Literaturhinweise für alle, die mehr wissen möchten:

Die Ausführungen zu Innsbruck in: Bernhard Duhr SJ, Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge, 4 Bände (in 6 Teilbänden), Freiburg/ München 1907-1928.
Hugo Rahner SJ, Die Geschichte eines Jahrhunderts. Hundert Jahre Theologische Fakultät Innsbruck 1857-1957, in: ZKTh 80 (1958) 1-65.
Emerich Coreth SJ, Das Jesuitenkolleg Innsbruck. Grundzüge einer Geschichte, in: ZKTh 113 (1991) 140-213.

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